Packaging on Demand – Vision oder Gegenwart?

Just-in-timePackaging on Demand - Bindus am Packplatz mit einem Packaging on Demand System kennt jeder: Verpackungen werden auf Abruf vom Lieferanten innerhalb weniger Stunden geliefert. Was bedeutet Packaging on Demand? Verheißungsvolle Zukunft oder schon jetzt Teil der Realität: Eine Verpackung auf Knopfdruck?

Ganz einfach formuliert: Die Herstellung der Wellpapp-Verpackungen wird vom Verpackungslieferanten direkt an den Packplatz des Kunden verlagert. Eine Maschine rillt und schlitzt Endlos-Wellpappe, um eine bedarfsgerechte Verpackungsgröße anzufertigen. Einschränkungen durch ein fixes Verpackungssortiment entfallen, beliebige Größen und Ausführungen können pro Stück direkt auf Knopfdruck produziert werden. Ein führender Packaging on Demand Anbieter beschreibt die Vorteile wie folgt: Der Verbrauch von Füllmaterial sinkt um durchschnittlich 50%, der Verbrauch von Wellpappe um 20%, die Verwaltung der Kartonbestände wird unproblematisch, Lagerraum wird reduziert, der Durchsatz wird erhöht, die Reklamationen reduzieren sich und die Versandkosten sinken durch Verringerung des Transportvolumens.

Das hört sich nach einem sehr hohen Einsparpotenzial an. Die Kehrseite der Medaille: Wer sich für Packaging on Demand entscheidet, muss eine sechsstellige Summe investieren, oder schließt einen Leasingvertrag ab, der eine zwei- bis vierjährige Bindung an den Lieferanten der Endlos-Wellpappe beinhaltet.

Wann passt ein Packaging on Demand System?

Um eine solche Entscheidung treffen zu können, müssen im Vorfeld die oben genannten Vorteile mit der eigenen konkreten Situation abgeglichen und genau geprüft werden. Kann tatsächlich Lagerraum in wesentlichem Umfang einspart werden? Denn nicht zu vergessen ist, dass auch die Endlos-Wellpappe Lagerplatz benötigt. Außerdem steht eine Packaging on Demand Anlage auf teuren vier bis vierzehn Quadratmetern Produktionsraum. Zudem wird zusätzliches Personal für die Kartonproduktion im eigenen Haus benötigt. Die Anlage kann keine gestanzten oder geklebten Ausführungen, wie z.B. Kartons mit Steck- oder Automatikboden, herstellen. Das Aufrichten von gerillter und geschlitzter Verpackung ist sehr zeitintensiv. Passt die Qualität zu den eigenen Ansprüchen? Der Zick-Zack-Falz in der Endlos-Wellpappe schwächt die Stabilität der Verpackung. Werden gleichzeitig unterschiedliche Wellpappen-Qualitäten benötigt, kann das eine einzelne Anlage eventuell nicht abdecken.

Ganz wichtig: Passt der höchstmögliche Output der Logistik zur maximalen Produktionsleistung der Maschine(n)? Wenn z.B. in Stoßzeiten beim Packaging on Demand System die Produktionskapazität überschritten wird, müssen Aufträge unverpackt  am Packplatz stehen bleiben.

Der Ansatz dieses völlig neuen Verpackungskonzepts ist auf jeden Fall richtig. Zu große Verpackungen bedeuten zu hohe Kosten, z.B. für Füllmaterial und Transport. Die Frage ist: Lässt sich das nicht auch ohne hohe Investitionen und Lieferantenbindungen ändern – z.B. durch die Erarbeitung volumenoptimierter Verpackungsgrößen und Schulung der Mitarbeiter zum effektiven Polstern.

 

2 Kommentare zu “Packaging on Demand – Vision oder Gegenwart?

  1. Hochinteressantes Thema, Riesenpotential. Aber wie so oft: Der Teufel liegt im Detail. Ganz wichtig sind die Produktivitäts- und Kapazitätsbetrachtung, wie im Blog auch schon angesprochen.

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