Kartons wiederverwenden statt recyclen

Karton wiederverwenden statt recyclenKartons wiederverwenden oder recyceln – was rechnet sich für Ihr Unternehmen?

Die grundsätzliche Forderung der Bundesregierung ist eindeutig: Abfallvermeidung ist das wichtigste Ziel der Kreislaufwirtschaft, noch vor dem Recycling. Das Bundesumweltamt hat eine Statistik zum Papierverbrauch veröffentlicht, in der Verpackungspapiere mit 47 % den größten Anteil im Jahr 2016 ausmachten.

Die Papierpreise sind 2017 stark gestiegen und für 2018 werden bereits weitere Preiserhöhungen prognostiziert. Der Handel und die Industrie florieren, die Warenströme nehmen zu, der Bedarf nach Verpackungsmaterial für den Transport steigt konstant. Der weltweite Versandhandel erzeugt eine Knappheit an Papier. Die Wellpappenhersteller kämpfen nicht nur mit den gestiegenen Papierpreisen, sondern auch mit Produktionsengpässen. Lieferzeiten von bis zu 4 Wochen sind mittlerweile die Regel.

Aus diesen Gründen denken einige Unternehmen ernsthaft darüber nach, die Kartons ihrer Vorlieferanten zu nutzen, statt sie im Altpapiercontainer zu entsorgen. Das wäre nicht nur ein Vorteil für den Einkauf, sondern würde auch das Umweltmanagement des Unternehmens optimieren. Für die Verpackungslogistik ist das allerdings eine große Herausforderung.  Aus meiner Sicht als Verpackungsoptimierer ist das Wiederverwenden von Kartonagen eine tolle Idee, dennoch habe ich immer den gesamten Ablauf der Logistik im Blick.

Kartons wiederverwenden – rechnet sich das wirklich?

Ein Platzproblem: Die gebrauchten Kartons sind aufgerichtet, lassen sich schlecht stapeln und binden Lagerkapazitäten. Ein Zeitproblem: Die Mitarbeiter am Packplatz brauchen zusätzliche  Zeit, um einen Karton in der richtigen Größe zu finden. Ein Größenproblem: Der wiederverwendete Karton kostet zwar nichts, kann aber einen höheren Verbrauch an Polstermaterial verursachen, wenn er zu groß für die eigene Sendung ist. Und eventuell ein Imageproblem: eine Neuwarensendung in einer Gebrauchtkartonage – welcher Eindruck entsteht dadurch?

Ein Stempel „Abfallvermeidung  – wir nutzen Kartons zweimal!“ könnte dem Kunden eine Schramme am Transportkarton erklären, stabil und funktionstüchtig sollte er trotzdem sein. Hygieneartikel oder teure Lifestyle Produkte würden in einem Second-Hand-Karton ihre Glaubwürdigkeit verlieren, aber in anderen Bereichen könnte „Box reused“ eine Qualitätsbotschaft sein, die für alle Seiten zufriedenstellend ist. Wenn der Vorlieferant Waren in einer Kartongröße sendet, die zum eigenen Portfolio passt: wunderbar. Wenn das Handling der „alten“ Kartons die Prozesskosten nicht maßgeblich erhöht: hervorragend.

Ich bin sehr dafür, die Umwelt zu schonen. Ein Karton, der zweimal verwendet wird, verbessert eindeutig die Energiebilanz des Kartons (und des Unternehmens!) und reduziert Verpackungsmüll. Entlastung der Umwelt bei gleichzeitiger Kostenoptimierung  – super!

7 Kommentare zu “Kartons wiederverwenden statt recyclen

  1. Hallo, ich war grade auf der Suche nach einer Möglichkeit unsere ganzen versandkartons an den Mann zu bringen (während corona bestellt man ja doch mehr online..)
    Ich bekam, bis auf diesen Beitrag hier nur entsorgungstipps 😒
    Dabei sind die meisten Kartons wirklich viel zu schade als das man sie nicht ein 2tes oder 3tes mal benutzt
    Ich werde sie in eine facebookgruppe stellen, zur Abholung, manche Leute verschicken ja viel..

  2. Toller Beitrag, danke schon einmal dafür.
    Wie sieht es denn mit dem Verpackungsgesetz und der Registrierung aus?
    Wenn ich z.B. gebrauchte Kartons kaufe und bei mir als Packmittel einsetze, dann müsste mir der Verkäufer der gebrauchten Kartons ja auch einen Beleg an die Hand geben?

    Gruß

    Frank

  3. Ich finde es jedes mal eine Schande, den stabilen Weinkarton mit viel Kraft klein zu machen und in die Tonne zu werfen !!

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